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Kell bei Andernach/Rhein

Kell ist ein Stadtteil von Andernach am Rhein.Kell vom Sportplatz aus gesehen
Der Ort besitzt eine sehr schöne, natürliche Umgebung und wird mit Recht als Andernachs schönster Stadtteil bezeichnet.Er liegt auf 270 m Höhe zwischen Rhein und dem Brohltal und besitzt z. Zt. ca. 1000 Einwohner. Kell ist einer der wenigen Orte, die noch landwirtschaftlich geprägt sind. Und so findet man auch rund um den Ortsrand Natur pur, sowie die schönsten Wanderwege.
Dank seiner zentralen Lage, bietet sich Kell an, von dort aus die bekannten Sehenswürdigkeiten des erst vor Kurzem realisierten Projektes Vulkanpark zu erkunden.
Der Laacher-See mit Kloster Maria-Laach liegt in unmittelbarer Nähe. Auch ein Ausflug ins Brohltal mit einer Besichtigung der Burg Olbrück, oder eine Fahrt mit dem Vulkan-Express wird sich lohnen.

Kell - ein Wallfahrtsort -

Die schmerzhafte Muttergottes von Kell

Wenn man die Pfarrkirche St.Lubentius betritt, fällt das auf der rechten Seite im Chorraum der ehemaligen Pfarrkirche befindliche Marienbild auf. Es handelt sich um eine Darstellung der schmerzhaften Muttergottes.
Das Kunstwerk wurde in der ersten Hälfte des 15.Jahrhunderts angefertigt. Es ist erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Kell. Seit es damals in der Gnadenkapelle Aufstellung fand, ist die Keller St. Lubentiuskirche Ziel vieler Wallfahrten.
Ursprünglich befand sich das Gnadenblid im Kloster Tönisstein, das unweit der heutigen Fachklinik Bad Tönisstein lag. Wenn man von der Fachklinik aus in Richtung Wassenach wandert, sieht man noch einige Mauerreste dieses ehemaligen Karmeliterklosters. Wie kommt nun die Pieta in den Stadtteil Kell?

Im Jahre 1388, so eine Legende, sahen Hirten aus Kell, die auf den Hügeln auf beiden Seiten des Brohlbaches und im Tal selbst ihre Herden weideten, mitten im dichten Dornengestrüpp ein Licht leuchten. Die Hirten gingen dem Lichtschein nach und kamen zu einer Stelle in unmittelbarer Nachbarschaft der heutigen Klosterruinen. Dort sahen sie, wie ein Strauch brannte, aber nicht verbrannte. Die Legende erzählt, dass sich diese Erscheinung vom brennenden Dornbusch in der Folgezeit noch mehrere Male wiederholte.

Bei den Bewohnern erweckte sie Angst und Erstaunen. Nach langem Zögern machte sich schliesslich ein Hirte auf und durchsuchte die Stelle. Er breitete den Dornbusch auseinander und sah ein Bild der schmerzhaften Muttergottes, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hielt, und vor ihr in anbetender Haltung kniend den hl. Antonius.
Der Mann lief zurück nach Kell und erzählte, was er gefunden hatte. Die Bevölkerung beschloss, das Bild in die Pfarrkirche zu bringen und dort zur Verehrung aufzustellen. So brachte man die Pieta auf den Berg. Als am darauffolgenden Tag fromme Bürger zum Beten in die Kirche kamen, war das Bildnis verschwunden. Obwohl es niemand dahin getragen hatte, lag es wieder an seiner ursprünglichen Stelle im Dornbusch. Das Gleiche geschah dreimal hintereinander, berichtet die Legende.

Die Keller Einwohner fanden keine Erklärung dafür. Sie betrachteten den Vorgang als Zeichen, dass die Gottesmutter an der Stelle verehrt werden wollte, an der das Bild gefunden worden war. So beschlossen sie, neben dem Dornbusch eine Kapelle zu Ehren Marias zu errichten. Der damalige Trierer Bischhof erteilte seine Zustimmung und bereits 1389 begann der Bau des Gotteshauses. Ein Jahr später, am Feste des hl. Antonius (17.Januar), wurde die Kapelle eingeweiht. Sie wurde dem hl. Antonius, der schmerzhaften Muttergottes und dem hl. Wendelinus, dem Schutzheiligen der Hirten geweiht. Das Bildnis der schmerzhaften Gottesmutter brachten die Keller in einer feierlichen Prozession zu diesem Gotteshaus, das dem Pfarrer von Kell unterstellt wurde.

Alsbald, so berichtet die Historie, entwickelte sich das Kapellchen zu einer regelrechten Wallfahrtsstätte. Aus der gesamten Umgebung strömten die Menschen nach Tönisstein, um dort zu Maria und dem hl. Antonius zu beten.

Der Andrang wurde so groß, daß die Keller Pfarrer ihn nicht mehr bewältigen konnten. Mitte des 15.Jahrhunderts erbaten sie sich Hilfe des Karmeliter Ordens. Dieser schickte einen Laienbruder, der fortan bei der Kapelle wohnte und den Pfarrer unterstützte. Wenige Jahre spöter, genau gesagt, 1463, schenkte ein Adeliger namens "Rollmann von Geisbüsch" seine in der Keller Gemarkung liegenden "Güter, Renten und Pächten dem Kirchlein unserer schmerzhaften Mutter zu Tönisstein". Die Urkunde dieser Schenkung befindet sich heute im Landeshauptarchiv Koblenz.

1465 schließlich beschlossen die Karmeliter die Gründung eines Klosterkonvents in Tönisstein. Die Mönche errichteten eine Kirche und bauten ein Kloster. Um 1495 waren die Gebäude fertiggestellt und wurden bezogen. Das Kloster erhielt den Namen des hl. Antonius und war fortan mehrere Jahrhunderte eine Niederlassung der Karmeliter. 1794 besetzten und annektierten die Franzosen das linksrheinische Rheinland und führten hier die Säkularisation.

Im Zuge dieser Einziehung der geistlichen Besitzungen wurde 1802 auch das Kloster Tönisstein aufgehoben. Die Mönche mußten von hier verschwinden. Das Bild der schmerzhaften Muttergottes wurde in die Pfarrkirche Kell gebracht, wo es heute noch verehrt wird.

Die Klostergebäude und die dazugehörigen Grundflächen wurden kurz darauf verkauft. 1815, als die Rheinlande durch Beschluß des Wiener Kongresses an Preußen übergingen, wurde das Kloster Tönisstein preußischer Staatsbesitz. Wenige Jahre später wurde das bis dahin unzerstört gebliebene Gebäude versteigert. Die neuen Besitzer benutzten es als Steinbruch und verwendeten die dicken Klostermauern zum Bau neuer Häuser. So verfiel Tönisstein schnell zu einer Ruine. 1982/83 schließlich wurden die Überreste unter Denkmalschutz gestellt.
(Fotos: Durch die Wolfsschlucht zur Ruine Tönisstein)

Damals, also 1802 beschlossen die Keller Gläubigen, jeden Sonntag vor der Pieta des Rosenkranz und eine Litanei zur schmerzhaften Muttergottes zu beten. Dieses Versprechen wird bis zum heuten Tage eingehalten. Das Gebet findet grundsätzlich um 14:00 Uhr statt.

Auch heute kommen viele Pilger, zum Teil in feierlichen Prozessionen, um vor der Keller schmerzhaften Gottesmutter Kraft und Trost zu finden.

Weitere Informationen (u.U. Kirchenführungen etc.) erteilen gerne
Egon Kulmus und Dieter Patron

Dieser Bericht wurde zusammengestellt von Egon Kulmus

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